Für Sie recherchiert. Von Tanya Karrer,
im April 2019

1921: Die Mode und die Welt im Umbruch

constoria Mode1921 RoaringTwenties TanyaKarrer


Seit einiger Zeit prangt über der constoria-Webseite eine Bildkomposition, die sinnbildlich ist für unser Tun: Das Vereinen von Geschichte und Zukunft. Die darauf erkennbare Damenmode ist typisch für das Jahr 1921, eine Zeit zwischen den Zeiten, sozusagen.

Die dargestellten Damen stammen aus einer Mode-Zeitschrift aus eben diesem Jahr. So ganz dem Bild der Roaring Twenties, das wir in unseren Köpfen haben, wird ihre Erscheinung nicht gerecht, die Linien ihrer Kostüme sind zu wenig gerade und rational, zuviel Firlefanz schmückt ihre Garderobe. Doch haben sie ebenfalls die Üppigkeit der Culs de Paris, der Tournüren und der überbordenden Hüte des 19. Jahrhunderts hinter sich gelassen. Tatsächlich befand sich die Welt um 1921 an einem Wendepunkt.

Der Krieg macht Mode
Der erste Weltkrieg lag gerade mal gut zwei Jahre zurück. Als ein Grossteil der Männer im Krieg an der Front kämpfte, und leider zu oft nicht oder nur versehrt zurückkehrte, lag es an den Frauen, den Alltag zu stemmen, sich und ihre Kinder zu ernähren, sie zu kleiden, ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten und allgemein die Wirtschaft möglichst am Laufen zu halten. Die opulente und gleichzeitig einschnürende Kleidung aus der alten Zeit vor dem Weltkrieg hinderte sie dabei. Die Frauen schneiderten sich bequeme Kleider aus günstigen Stoffen, die ihnen viel Bewegungsfreiheit für ihre Tätigkeiten liess. Als der Krieg endlich vorbei war, wollten die Menschen möglichst schnell zur alten Tagesordnung zurückkehren. Noch einmal blühte die alte Mode mit ihrer Fülle auf: Die Taille lag hoch, Hüfte und Gesäss waren betont. Den Kopf zierten ausladende Hüte, geschmückt mit Bändern, Blumen, Früchten und Federn.

Legerer Schnitt und tiefe Taille für arbeitende Frauen
Doch die Welt hatte sich geändert. Die Frauen strebten danach, ihre im Krieg notwendigerweise erlangte Freiheit aufrecht zu erhalten, die Herrschaftsordnung von reich und arm war zwischenzeitlich auf den Kopf gestellt, die Industrie und Wirtschaft brummte, es herrschte allgemeine Aufbruchstimmung. Die Mode vergangener Zeiten passte nicht mehr ins Weltgefüge der Nachkriegszeit. Genau diesen Zeitpunkt der Wende symbolisiert die Mode in der vorgestellten Abbildung. Die Kleidung der Damen ist leger geschnitten und die Taille wesentlich tiefer angesetzt als noch vor dem Krieg. Doch sie ist, im Gegensatz zu späteren Jahren, noch immer betont. Auch spielen der Faltenwurf und Dekorelemente nach wie vor eine entscheidende Rolle. Insbesondere aber die Hüte haben das 19. Jahrhundert noch nicht ganz hinter sich gelassen, auch wenn das Dekor bereits reduziert ist. 

constoria Mode1910 Jugendstil TanyaKarrer

Hüte aus vergangenen Zeiten, doch ohne alten Zopf
Vor allem der Dreispitz (Tricorne) der zweiten Dame war schon um 1912 en vogue. Die Kopfbedeckung der ersten Frau erinnert gar an einen Schutenhut aus der Zeit des Biedermeiers, adaptiert für das 20. Jahrhundert, aber noch meilenweit entfernt vom Topfhut (Cloche) der späteren Zwanzigerjahre. Ebenso für die Übergangszeit spricht der Haarschnitt der Modelle. Sie tragen bereits kurze Haare. Für anspruchsvolle Hochsteckfrisuren fehlten in der neuen Zeit sowohl die Zeit wie auch die Zofen. Und trotzdem lässt sich die typische Bubikopf-Frisur der goldenen Zwanziger noch nicht erkennen. Noch 1929 wurde übrigens in der "Illustrierten Familienzeitschrift für das arbeitende Volk - Der Aufstieg", festgehalten, dass es vom Gesetzesstandpunkt aus die Zustimmung des Mannes nicht braucht, wenn sich die Frau die Haare kurz schneiden lassen will.

Männer und Frauen als Leitmotiv
Apropos Männer: Es wurde schon laut, dass im constoria-Banner der zylindergeschmückte Mann fehle. Völlig einverstanden! Er wird, sobald ich ihn finde, hineingephotoshopt. Bis dahin muss sich die Leserschaft mit dem Arzt begnügen. Über diesen oder eben den huttragenden Herr, werde ich in einem nächsten Beitrag schreiben. Sowohl Arzt wie auch die Damen mit Kind sind das Leitmotiv der neuen, von constoria gestalteten Image-Broschüre, die hier heruntergeladen oder gratis in Papierform bei constoria bestellt werden kann. 

constoria bewegt sich als Heritage Communicator und History Marketeer an der Schnittstelle von Geschichte und Zukunft. Für unsere Kundschaft heben wir das Alleinstellungsmerkmal (USP) "Geschichte" ans Licht und beraten zu dessen Einsatz. Denn wie schon Winston Churchill sagte: "Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen".


Quellen und weiterführende Literatur:

  • Fiell, Charlotte et al. 2011: La mode des Années 1920 en images. London: Fiell.
  • Koch-Mertens, Wiebke 2003: Der Mensch und seine Kleider. Band 2. St. Gallen: Typoton.
  • Yarwood, Doreen 1980: Costume of the Western World. Guildford: Lutterworth Press.
  • Le Petit Echo de la Mode, Jahrgang 43, No. 37 vom 11. 9. 1921.
  • Krause, Gisela 2010: Kleine Kostümkunde. Berlin: Schiele & Schön.